Ein herzgesundes Leben
Ein gesundes Herz-Kreislauf-System ist die beste Voraussetzung, um bis ins hohe Alter fit und aktiv zu bleiben. Und die gute Nachricht ist: Vieles dafür haben wir selbst in der Hand – wenn wir auf uns Acht geben.
Ein längeres und gesundes Leben, das wünscht sich wohl jeder. Und das ist durchaus möglich. Das jedenfalls zeigt eine große Studie von Wissenschaftlern und Forscherinnen des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE). Gemeinsam mit Kollegen aus der ganzen Welt werteten sie die Daten von über zwei Millionen Menschen aus 39 Ländern aus. Die Ergebnisse sind beeindruckend: Wer im Alter von 50 Jahren nicht raucht, einen normalen Blutdruck hat, keine hohen Cholesterinwerte oder Diabetes aufweist und ein gesundes Körpergewicht hält, bleibt nicht nur länger von Herz-Kreislauf-Erkrankungen verschont, sondern gewinnt auch viele Lebensjahre: Frauen im Schnitt ganze 14,5 Jahre mehr als jene mit allen fünf Risikofaktoren, Männer 11,8 Jahre.
Und die gute Nachricht ist: Vieles haben wir dabei selbst in der Hand. Wir können nicht nur das Rauchen aufgeben, sondern durch rechtzeitige Vorsorge und eine gesündere Lebensweise häufig auch einen Bluthochdruck, schädliche Cholesterinwerte oder einen Diabetes verhindern.
Mit einer ausgewogenen Ernährung mit reichlich Gemüse und Obst, hochwertigen pflanzlichen Ölen (Raps-/Olivenöl), weniger Fleisch, Zucker und verarbeiteten Lebensmitteln sowie mehr Bewegung im Alltag ist schon viel gewonnen (die WHO empfiehlt 150 bis 300 Minuten moderate Bewegung pro Woche, z. B. zügiges Gehen). Hinzu kommt die Vorsorge, denn viele Erkrankungen entwickeln sich oft unbemerkt über Jahre.
Bluthochdruck – die leise Gefahr
Ein dauerhaft zu hoher Blutdruck ist tückisch, denn er bleibt oft lange unbemerkt. Dabei richtet er über die Jahre massive Schäden im Körper an.
Kennen Sie eigentlich Ihre Blutdruckwerte? Nein? Dann sind Sie sozusagen in „bester“ Gesellschaft. Über 20 Millionen Menschen in Deutschland haben einen hohen Blutdruck, das ist etwa jeder dritte Erwachsene. Und die Dunkelziffer ist hoch: Jeder Fünfte weiß nichts von seiner Erkrankung. Und zehn Prozent derer, die von ihren kritischen Werten wissen, lassen sich nicht behandeln. Dabei sollte man Bluthochdruck nicht auf die leichte Schulter nehmen, auch wenn man sich ansonsten fit und gesund fühlt. Denn die Hypertonie, so der medizinische Fachausdruck, ist der häufigste und relevanteste Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
„Wenn sich Beschwerden wie Schwindel, Ohrensausen oder Kopfschmerzen bemerkbar machen, ist es leider meistens zu spät, weil Gefäße und Organe häufig schon geschädigt sind“, sagt Prof. Dr. Thomas Voigtländer, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Herzstiftung.
Ablagerungen behindern den Blutfluss
Doch was genau ist eigentlich so schlimm an zu hohem Blutdruck? Dafür muss man zunächst die Bedeutung der Werte verstehen. Der erste Wert, der sogenannte systolische, beschreibt den höchsten Druck in den Arterien, der entsteht, wenn sich das Herz zusammenzieht und Blut in den Körper pumpt. Der zweite Wert, der diastolische, ist der Druck, der bleibt, wenn sich das Herz wieder entspannt, um sich erneut mit frischem Blut zu füllen. Ein optimaler Wert könnte z. B. 120/80 mmHg sein.
Rauscht das Blut nun permanent mit zu hohem Druck durch die Arterien, ermüden mit der Zeit die Gefäße. Wie bei einem alten Gartenschlauch entstehen feine Risse, die der Körper zu reparieren versucht. Dadurch können sich die Gefäßwände verdicken und verhärten, es bilden sich Engstellen und Ablagerungen, die den Blutfluss behindern. Folge: Das Herz muss noch stärker pumpen, um die Organe mit Blut und Sauerstoff zu versorgen, verdickt sich und wird irgendwann insuffizient (Herzinsuffizienz = Herzmuskelschwäche).
Ablagerungen können sich zudem lösen und im Gehirn einen Schlaganfall oder in den Herzkranzgefäßen einen Herzinfarkt provozieren. Und auch andere Organe werden geschädigt, darunter die Nieren und die feinen Blutgefäße der Augen.
Um die gravierenden Folgen einer Hypertonie zu vermeiden, sollte man daher seinen Blutdruck regelmäßig prüfen lassen – in der Hausarztpraxis, in Ihrer gesund leben-Apotheke oder mit einem Blutdruckmessgerät daheim. Welche Werte angestrebt werden sollten, ist je nach Fachgesellschaft etwas unterschiedlich und kann auch individuell verschieden sein. Alter und Risikofaktoren (z. B. Rauchen, Vorerkrankungen) spielen eine Rolle. Übereinstimmend liegt eine arterielle Hypertonie bei Blutdruckwerten von > 140/90 mmHg vor. Ansonsten gelten laut Deutscher Hochdruckliga aktuell folgende Richtwerte:
| Blutdruck | Systolisch (mmHg) |
Diastolisch (mmHg) |
|---|---|---|
| Optimal | < 120 | < 80 |
| Normal | 120–129 | 80–84 |
| Hochnormal | 130–139 | 85–89 |
| Bluthochdruck | ab 140 | ab 90 |
Wichtig: Die Werte gelten für die Messung in der Arztpraxis, bei der man häufig etwas aufgeregter ist. Bei der Blutdruckmessung zu Hause liegt die Grenze zum Bluthochdruck bei 135/85 mmHg.
Blutdruckmessgeräte: Worauf Sie achten sollten
Das regelmäßige Selbstmessen zu Hause ist oft eine praktische und zuverlässige Methode, um hohen Blutdruckwerten auf die Spur zu kommen. Hierfür gibt es Messgeräte für das Handgelenk oder für den Oberarm. Wichtig: Achten Sie darauf, dass das Messgerät das Siegel der Deutschen Hochdruckliga trägt. Entsprechende Geräte wurden hinsichtlich ihrer Messgenauigkeit streng geprüft. Sie erhalten sie in Ihrer gesund leben-Apotheke. Dort erklärt man Ihnen auch gleich die richtige Handhabung, um möglichst unverfälschte Werte zu ermitteln.
Blut spenden senkt den Blutdruck
Die Ursachen für erhöhte Werte bzw. Bluthochdruck können ganz unterschiedlich sein. Zunächst ist es mit zunehmendem Alter oft ganz normal, dass die Gefäße nicht mehr so elastisch sind wie in jungen Jahren. Auch eine erbliche Veranlagung und Erkrankungen wie Diabetes oder die Schlafapnoe (nächtliches Schnarchen mit Atemaussetzern) sind Risikofaktoren für Bluthochdruck. Und schließlich gibt es die üblichen Verdächtigen: Übergewicht, Bewegungsmangel, zu viel Alkohol, Rauchen und Stress.
Doch woran es auch liegt: Gegen Bluthochdruck sollte in jedem Fall etwas unternommen werden. Bei nur leicht erhöhten Werten genügen häufig schon kleine Änderungen im Alltag. Fahren Sie z. B. mit dem Fahrrad zum Einkaufen oder zur Arbeit, gehen Sie regelmäßig spazieren oder fangen Sie eine Sportart an. Vielleicht gehen Sie einmal die Woche zum Schwimmen oder Yoga? Effektiv sind laut neueren Studien auch sogenannte isometrische Übungen, bei denen Muskeln ohne Bewegung angespannt werden (Planks, Wandsitz etc.) Sie lassen sich ohne viel Aufwand prima zu Hause durchführen.
Apropos: Den Blutdruck nicht direkt nach körperlicher Anstrengung messen, er ist dann immer erhöht! Achten Sie außerdem auf eine salzärmere Ernährung (viel Salz steckt meist in Fertiggerichten). Und bei stressgeplagten Menschen kann bereits das Erlernen einer Entspannungsmethode helfen, um den Blutdruck zu senken. Ebenfalls effektiv: regelmäßig Blut spenden. Das kann den Blutdruck bei Hypertonikern laut einer Studie der Berliner Charité signifikant und nachhaltig senken.
Medikamente und minimalinvasive Verfahren
Ansonsten helfen verschiedene Medikamente, um eine Hypertonie in den Griff zu bekommen. Dazu zählen beispielsweise ACE-Hemmer. Sie erweitern die Blutgefäße und beeinflussen hormonelle Regelkreise, die den Blutdruck steuern. Ähnlich wirken sogenannte AT1-Antagonisten (Sartane). Kalziumantagonisten entspannen die Muskulatur der Blutgefäße und senken dadurch den Gefäßwiderstand.
Diuretika fördern die Ausscheidung von Flüssigkeit und Kochsalz über die Nieren, während Betablocker die Herzfrequenz senken und das Herz entlasten. Häufig werden mehrere Wirkstoffe miteinander kombiniert, um den Blutdruck wirksam zu kontrollieren. Und sollte sich der Blutdruck auch damit nicht effektiv senken lassen – Fachleute sprechen von einer resistenten Hypertonie –, gibt es andere Behandlungsmöglichkeiten. Etwa die „renale Denervation“, ein minimalinvasiver Kathetereingriff, bei dem überaktive Nervenfasern in den Nierenarterien verödet werden, um die Blutdruckregulation zu unterstützen.
Risiko Wechseljahre
Jüngere Frauen haben oft niedrige bis normale Blutdruckwerte. Die weiblichen Geschlechtshormone schützen die Gefäßwände und halten sie elastisch. Dieser Schutz geht jedoch zunehmend verloren, wenn die Östrogenwirkung mit den Wechseljahren stark abfällt. Gleichzeitig steigt der Testosteronspiegel, wodurch verstärkt hormonell aktives Bauchfett eingelagert wird. In der Folge entwickelt mehr als die Hälfte der Frauen in den ersten Jahren nach der Menopause eine Hypertonie. Frauen sollten mit den Wechseljahren deshalb besonders auf ihre Blutdruckwerte achten.
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