Home Gesundheitstipps Kein Tabuthema
Lebensqualität & Prävention
© Stocky Boi / iStock by Getty Images

Kein Tabuthema

Über manche gesundheitlichen Beschwerden spricht man nicht gerne, weil sie einem peinlich sind. Dabei leiden viele Menschen an eben diesen Malaisen – ganz unabhängig von Alter oder sozialem Status. Wir zeigen vermeintliche Tabu-Erkrankungen und führen auf, was dagegen hilft.

Hämorrhoiden

Kaum eine Erkrankung ist mit so vielen Vorurteilen behaftet, tatsächlich aber besitzt jeder Mensch Hämorrhoiden: Es sind die gut durchbluteten Gefäßpolster im Enddarm, die den Schließmuskel abdichten. Probleme bereiten sie uns erst, wenn sie sich vergrößern. Typischerweise treten dann Juckreiz, Brennen, Nässe oder hellrote Blutspuren auf dem Toilettenpapier auf. Starkes Pressen beim Stuhlgang, chronische Verstopfung, Bewegungsmangel oder Übergewicht begünstigen das Leiden. Handelt es sich um helles, frisches Blut deutet vieles auf hämorrhoidale Ursachen hin, eine ärztliche Abklärung ist im Zweifel nie verkehrt.

Was hilft?

In vielen Fällen helfen einfache Maßnahmen: Eine ballaststoffreiche Ernährung, ausreichend Trinken und regelmäßige Bewegung sind einer gesunden Verdauung zuträglich. Spezielle Salben oder Zäpfchen können die Beschwerden lindern. Bei ausgeprägten Befunden ist die Verödung der erweiterten Gefäße eine wirksame Option.

Mundgeruch

Halitosis im Fachterminus zählt zu den häufigsten, aber auch unangenehmsten Tabuthemen. Betroffene nehmen ihren schlechten Atem oft selbst nicht wahr und ihr Umfeld scheut sich meist vor einem Hinweis. In neun von zehn Fällen liegt die Ursache direkt am Ort des Geschehens: Bakterien auf der Zunge, Zahnfleischentzündungen, Karies oder schlechtsitzender Zahnersatz können die übelriechenden Schwefelverbindungen produzieren.

Was hilft?

Zu den Soforthilfe-Tipps zählt neben regelmäßigem Zähneputzen – etwa mit einer antibakteriellen Zahncreme – auch die Reinigung der Zunge mit einem Zungenschaber. Mit Zahnseide und Interdentalbürsten lassen sich versteckte Speisereste zwischen den Zähnen entfernen. Viel trinken unterstützt den Speichelfluss und spült den Mundraum. Ein Arzt kann zudem Stoffwechselerkrankungen, Magen-Darm-Beschwerden oder Nebenhöhlenentzündungen ausschließen, die in seltenen Fällen Mundgeruch hervorrufen können.

Inkontinenz

Es ist wirklich unangenehm, beim Sport oder Niesen Urintröpfchen oder Stuhlpartikel zu verlieren! Dabei ist Inkontinenz keineswegs nur eine Alterserscheinung. Frauen sind stärker betroffen als Männer, das liegt am schwächeren Bindegewebe und hormonellen Veränderungen, etwa nach Schwangerschaften oder in den Wechseljahren. Auch jüngere Menschen können darunter leiden.

Die Ursachen sind vielfältig: eine schwache Beckenbodenmuskulatur, Prostatavergrößerungen bei älter werdenden Männern, neurologische Erkrankungen wie Multiple Sklerose oder Parkinson, Operationen oder bestimmte Medikamente. Kontraproduktiv ist es, aus Angst vor „Unfällen“ Aktivitäten oder das Trinken einzuschränken.

Was hilft?

Effektiv ist eine interdisziplinäre Herangehensweise: Beckenbodentraining mit spezialisierten Physiotherapeuten gehört zu den wirksamsten Maßnahmen. Medikamente können die Blasenmuskulatur beruhigen, Hilfsmittel wie ein Pessar oder minimalinvasive operative Verfahren unterstützen Sie ebenso. Wichtig: das Problem nicht verschweigen, sondern ärztlichen Rat beim Urologen oder Gynäkologen einholen.

Starkes Schwitzen

Schwitzen ist lebenswichtig, es schützt den Körper vor Überhitzung. Manche Menschen produzieren jedoch übermäßig viel Schweiß, und zwar unabhängig von der Außentemperatur oder körperlicher Anstrengung. Ärzte nennen das Phänomen Hyperhidrose. Schätzungen zufolge sind in Deutschland mehrere Millionen Menschen betroffen. Die psychische Belastung kann erheblich sein. Viele Betroffene meiden Händeschütteln, fühlen sich in sozialen Situationen unsicher oder ziehen sich zurück.

Was hilft?

Bei leichten Formen sind Antitranspirante Deos vorzuziehen. Sie beinhalten Aluminiumsalze, die Schweißdrüsen temporär verengen. Atmungsaktive Kleidung hilft ebenso wie der Verzicht auf stark gewürztes Essen, Kaffee und Alkohol. Salbeitee als Kompresse oder Getränk reduziert nachweislich den Schweißfluss. Das medizinische Behandlungsspektrum reicht von einer Gleichstrombehandlung (Iontophorese) bis hin zu Botox-Injektionen oder einer operativen Schweißdrüsenabsaugung.

Scheidenpilz/Intimgeruch

Juckreiz, Brennen oder ein veränderter Geruch im Intimbereich sind Beschwerden, über die Frauen nicht gerne sprechen. Dabei haben die meisten Frauen mindestens einmal im Leben mit einem Scheidenpilz zu kämpfen. Auslöser ist häufig eine Vermehrung von Hefepilzen (Candida albicans) auf der vaginalen Schleimhaut. Weißlicher Ausfluss ist dafür typisch. Für den schlechten Intimgeruch zeichnet aber eher eine bakterielle Vaginose verantwortlich, eine mikrobiologische Störung des Scheidenmilieus.

Was hilft?

Aggressive parfümhaltige Waschlotionen oder häufige Spülungen zerstören das natürliche Gleichgewicht der Schleimhäute, lauwarmes Wasser bei der täglichen Intimpflege reicht völlig. Antimykotika als Zäpfchen oder Creme bekämpfen Scheidenpilze. Für eine gute Immunabwehr helfen auch Michsäurezäpfchen.

Immer auf dem Laufenden bleiben – melden Sie sich an.

    Loading...