Serie Dr. med. Natur: Knoblauch
Schon unsere Vorfahren setzten mit ihrem Erfahrungswissen auf die heilenden Kräfte von Arzneipflanzen. Längst sind viele davon mit modernen wissenschaftlichen Methoden gut untersucht. Ob als Tee, Tinktur oder Extrakt: Die bewährten Wirkstoffe erhalten Sie in geprüfter Qualität in der Apotheke. In dieser Ausgabe erfahren Sie mehr über den Knoblauch.
Herkunft
Knoblauch (Allium sativum) ist heute aus der Küche kaum noch wegzudenken. Feingehackt und mitgekocht verleiht er Saucen und Braten eine fein-würzige Note, und für beliebte mediterrane Klassiker wie Spaghetti aglio e olio ist er gar unverzichtbar. Dabei stammt er ursprünglich gar nicht aus dem Mittelmeerraum, sondern aus den trockenen Steppen Zentralasiens – dem heutigen Iran, Turkmenistan und Usbekistan – sowie Indiens. Mittlerweile ist China das Hauptanbaugebiet von Knoblauch.
Botanik
Knoblauch gehört zu den Amaryllisgewächsen und kann mit seinen länglichen, graugrünen Blättern knapp einen Meter groß werden. Im Erdreich bildet die von einer weißen oder rötlichen, pergamentartigen Haut umgebene Knoblauchknolle als Überdauerungsorgan bis zu 20 Zehen aus. Auf die charakteristische Teilung der Knolle in Zehen geht auch der Name zurück: Knoblauch stammt vom althochdeutschen „klioban“, was ,,Spalten“ bedeutet.
Geschichte
Schon die ersten Völker der Antike, die Sumerer (ca. 5000 v. Chr.) und die Babylonier, schätzten Knoblauch als Genuss- und Würzmittel, aber auch als Heilpflanze. Ägypten galt als „Knoblauchland des Altertums“. Die Pyramidenbauer vergötterten ihn als wichtige Heilpflanze und legten ihn den Pharaonen ins Grab. Bei den Griechen wurde er als „stinkende Rose“ bezeichnet, bei der ersten Olympiade aßen die Athleten ein bis zwei Zehen Knoblauch als „Dopingmittel“.
1858 wies dann der französische Mikrobiologe Louis Pasteur erstmals die antibakterielle Wirkung von Knoblauch nach und setzte Knoblauchsaft bei Verwundungen ein. Als den Ärzten im Zweiten Weltkrieg das Penicillin ausging, wurde das Hausmittel als “russisches Penicillin“ eingesetzt.
Verwendete Pflanzenteile
Gesundheitlich von Bedeutung sind die Zehen der Knoblauchknolle. Sie enthalten neben wichtigen Vitaminen (u. a. B1, B6 und C) und Mineralstoffen (Kalium, Magnesium, Calcium etc.) vor allem wertvolle sekundäre Pflanzenstoffe. Die geruchlose Aminosäure Alliin wird beim Schneiden und Zerdrücken der Zehen mit Hilfe eines Enzyms unter dem Einfluss von Sauerstoff in das antibiotisch wirksame Allicin umwandelt. Seine Schwefelverbindungen dienen dem Schutz vor Fressfeinden und sind auch für den typischen Knoblauchgeruch bzw. -geschmack verantwortlich.
Wirkung
Aufgrund der zelltötenden Eigenschaften von Allicin (das bei der Verdauung schnell zu ungiftigen Stoffen abgebaut wird), bekämpft Knoblauch vor allem Viren, Bakterien und Pilze, was unser Immunsystem bei seiner Arbeit unterstützt. Die aromatische Knolle wird daher häufig auch als natürliches Antibiotikum bezeichnet. Allicin und Ajoen – ebenfalls eine Schwefelverbindung des Knoblauchs – wirken zudem leicht blutverdünnend und blutdrucksenkend.
Der regelmäßige Verzehr von Knoblauch kann daher altersbedingten Gefäßveränderungen vorbeugen und unsere Blutgefäße schützen. In der Volksheilkunde wird Knoblauch deshalb auch zur Vorbeugung von Arterienverkalkung (Arteriosklerose) und bei Bluthochdruck eingesetzt. In Studien zeigte sich durch die lipidsenkende Wirkung von Knoblauch ein positiver Einfluss auf den Cholesterinspiegel. Knoblauch stimuliert außerdem die Verdauung.
Äußerlich wird die Heilpflanze in der Volksheilkunde u. a. bei Hühneraugen, Warzen, Schwielen, Haarflechten, Muskelschmerzen und Rheuma angewendet.
Darreichungsformen
Knoblauch erhalten Sie als Nahrungsergänzungsmittel und als traditionelles Arzneimittel in der Apotheke in verschiedenen Formen, darunter Präparate wie Knoblauch-Tabletten oder Knoblauch-Dragees, aber auch Mischpräparate, etwa mit Weißdorn oder Mistel, sowie Knoblauchöl und -salbe. Entsprechende Knoblauchprodukte enthalten alle wertvollen Inhaltsstoffe der Knolle in konzentrierter Form. Wichtig: Wer regelmäßig Medikamente einnimmt, sollte sich bezüglich möglicher Wechselwirkungen beraten lassen! Grundsätzlich sollte bei Nahrungsergänzungsmitteln mit Allicin oder Alliin eine Menge von 12 mg Alliin oder 5 mg Allicin nicht überschritten werden.
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